yogaFriends

Alles über Yoga

Nach meinen Erfahrungen wollen die meisten Yogainteressierten nichts von Krieg und Frieden, Politik und Gesellschaft, Demokratie und Rechtsstaat, Meinungsfreiheit und sozialer Verantwortung, etc. wissen.
Trotzdem, für die wenigen Ausnahmen unter euch, eine sehr persönliche Rede von Ayse Cindilkaya, die sie letzten Samstag anlässlich des Ostermarsches gehalten hat.

erschienen bei Netzwerk Friedenskooperative
http://www.friedenskooperative.de/netzwerk/om10-086.htm
---------------------------------------------------------

Redebeitrag für den Ostermarsch 2010 in Erlangen am 3. April

Krieg spaltet - Frieden vereint!

Ayse Cindilkaya (in Erlangen)

- Es gilt das gesprochene Wort! -

Aufruf einer Muslimin, sich gesamtgesellschaftlich zu vereinen und in der
Friedensbewegung gemeinsam entschieden "Nein!" zu sagen zu
Feindbildern, Hass, Kriegs-PR, Terror, Waffen und Krieg




Liebe Friedensfreundinnen und Freunde!

Ich war gerade mal zehn Jahre alt, als uns unser Lehrer eine Karte mit den
zu dieser Zeit weltweit geführten Kriegen und bewaffneten Konflikten
vor die Nase hielt und dazu in typisch niederbayrischer Gelassenheit
sagte:"Tja, da hört`s dann auf mit Gutgläubigkeit über herrschenden
Weltfrieden, gell. Forscht mal lieber selber nach!

Glaubt denen da oben nicht immer."

Zehn Jahre alt war ich, und ich war schockiert über die hohe Anzahl, sowohl der bewaffneten Konflikte als auch der Todesopfer.

Ich konnte diese Informationen damals nicht wirklich einordnen. Ich wusste
auch nicht, wen mein Lehrer mit "die da oben" meinte, aber vor allem
konnte ich nicht glauben, dass diese vielen Kriege wahr sein sollten.
Bis heute denke ich mit gemischten Gefühlen an diese
Unterrichtsstunde,.denn in meiner Welt war Krieg nicht möglich.

In der dritten oder vierten Klasse, kann ich mich noch erinnern, haben wir
eine Doku über den zweiten Weltkrieg angeschaut, mit der ganz klaren
Botschaft, Nie wieder! Nie wieder Kriegsbeteiligung!

Und wir Jüngeren müssten diese Botschaft wahren und weitertragen.

Ich habe Kinderbücher wie "Frieden fängt zu Hause an" von Jutta Modler zur
Lektüre bekommen, die zu Versöhnung und gewaltfreier Konfliktlösung
erzogen.

So ist meine Generation in Deutschland aufgewachsen, mit einem Nein zum Krieg. Und darauf können wir stolz sein!

Und heute?

Heute muss ich lesen, dass der Frieden nicht zu Hause anfängt, sondern am Hindukusch!

dass dutzende Jugendoffiziere an Schulen für weltweite Militäreinsätze der
Bundeswehr werben, über nationale Interessen schwafelnd unsere
Jugendlichen für das Töten begeistern sollen, während sich unsere
Regierung gleichzeitig über Amokläufe an Schulen entrüstet und erregt
darüber diskutiert "Killer-Computer-Spiele" zu verbieten, statt
dringend gebrauchtes Geld in Bildungsmaßnahmen und den Ausbau der
Sozialpolitik zu investieren. Unser Außenminister verlacht lieber
öffentlich die Ärmeren in unserer Gesellschaft! Wie war das mit
Solidarität?

Ich muss lesen,

dass Bundeswehrsoldaten, die teilweise so alt sind wie ich, von unserer Regierung ins Ausland
geschickt werden unter der Vorgabe wirtschaftliche Aufbauhilfe zu
leisten, Demokratie, Frieden und Sicherheit in die Länder zu bringen;
Dass diese Soldaten dort dann aber tatsächlich überrascht werden, vor
vollendeten kriegerischen Tatsachen stehen, eine Vielzahl an Zivilisten
töten und dabei selbst sterben.

Die Ausmaße des Afghanistaneinsatzes haben wir erst beim Bombenangriff von Kundus so
richtig gespürt. Wir sind alle entsetzt! Unsere Regierung ist aber
weiterhin fleißig dabei, von uns Bürgern abzuverlangen, dass wir diesen
Wahnsinn nicht nur stillschweigend dulden, sondern aktiv unterstützen!
Aber was entgegnen wir, wie bis zu 80 Prozent der anderen Bürger dieses
Landes? Ein klares: Nein, nicht mit uns!



Liebe Friedensfreundinnen und Freunde,

unser Land und die gesamte EU wird schleichend militarisiert und ich bin
froh, dass wir heute in Erlangen zusammen gekommen sind, um vereint als
Freunde der gleichen Sache, zu Krieg, zu Extremisten jeden Lagers, zu
Hass und zur Entzweiung der Menschheit bedingungslos "Nein!" zu sagen.

Ich bin froh, dass wir in der Tradition der nun fünfzig Jährigen
Ostermärsche hier stehen, um einander zu erinnern, für einander Zeugen
zu sein und uns zu stärken, denn heute den Lügen und der unglaublichen
Kriegs-und Terror-Propagandamaschinerie stand zu halten, von seinen
Prinzipien nicht abzulassen, Pazifist zu bleiben und dafür auch aktiv
einzustehen, ist leider ein hohes und rares Gut geworden.



Liebe Friedensfreundinnen und Freunde,

ich möchte heute nicht für ein Gremium, sondern in erster Linie als Mensch,
als besorgte Bürgerin zu Ihnen sprechen. Ich will Ihnen einfach offen
sagen, was mich plagt.

Ich mache mir ganz besonders Sorgen über die aufgebauten Feindbilder, die unser Vertrauen ineinander vergiften
sollen! Gottlob es fallen keine Bomben auf unser Land und unsere Körper
sind nicht wie die der Afghanen oder Iraker verstümmelt, aber man will
durch Feindbilder unsere Herzen verstümmeln.

Manchmal kann ein totes Herz ein schlimmerer Verlust sein! Die totherzigen Kriegs-und
Terror-Treiber wollen unser Band der Solidarität als Geschwister im
Menschsein zerreißen und uns weltweit in verfeindete Lager treiben! Das
können wir nicht wollen!

Ich sage Ihnen, unser aller Freundschaft und Freiheit ist gerade durch Irrsätze wie "Unsere
Sicherheit wird am Hindukusch verteidigt" brandgefährdet!

Erlauben Sie mir auszuführen, weshalb!

Sehen Sie, viele von Ihnen kennen mich als tief gläubige Muslimin, als Kind
der Moscheen, als Gefährtin des Koran, der mir in den Nächten Trost und
Hoffnung schenkt. Ich bin hoffnungslos verliebt in den letzten
Propheten Mohamed, denn er hat mich als Kind sanft gelehrt, was
Barmherzigkeit, Friedens- und Menschenliebe bedeutet.

Gleichzeitig weiß ich, was für negative Assoziationen ich automatisch bei vielen
Menschen erwecke, allein dadurch, dass ich hier als Muslimin, als
solche erkennbar gekleidet, stehe, denn die Kriegspropaganda hat
jahrelang die Deutungshoheit über wunderschöne Begriffe wie Moschee,
Muslim oder Koran an sich gerissen und mit wesensfremden Inhalten wie
grenzenloser Gewalt, Horte des Terrors, Extremismus und
Frauenunterdrückung gefüllt. Das alles garniert mit abartig aus dem
Kontext gerissenen und ihrer Deutung entreißenden Koranversen. Und
fertig ist das konstruierte Feindbild Islam!

Dieses Bild, diesen Hass, den ich weder von meinen Eltern, meinen Quellen, noch
meinen Gemeinden kenne; ich verabscheue es und seinen Inhalt
abgrundtief, weil er meinen Glauben verunstaltet und fürchte mich vor
den Konsequenzen dieses Bildes, genau wie Sie!

Oh, aber wie wir dieses Feindbild brauchen!

Und Sie wissen sicherlich, warum! Sie wissen, dass für Krieg immer
Propaganda, Lügen und Feinbilder benötigt werden. Im Moment sitzen wir
einem Feindbild "Islam" und angeblich islamisch rechtfertigbarem Terror
auf,- und vielleicht bald einem jetzt schon kräftig aufgebauten
Feindbild China.

Ein kurzer Blick auf die Ölvorkommnisse auf unserer Erde lässt uns wissen, weshalb es die Kriegsvorbereiter,
angeblich aufgrund hehrer Werte, aber tatsächlich aufgrund ihres
unstillbaren skrupellosen Hungers nach Macht und Reichtum gerade auf
die Länder, die im Moment bekriegt werden, abgesehen haben. Dabei geht
es nicht um Religion oder einen Kampf der Kulturen! Diese Länder sind
einfach zu ihrem Pech zu nah dran am Öl oder dem Weg dorthin!

Man will uns weis machen, wir würden durch unsere Kriegsunterstützung den
sogenannten internationalen Terrorismus bekämpfen! Tatsächlich wird
erst durch völkerrechtswidrige Angriffskriege Hass und Terror genährt!
Und das gerade durch Staaten, die eigentlich rein entwicklungsmäßig
sehr gut wissen müssten, dass Bombenwerfen und tausendfach Zivilisten
zu Schaden kommen zu lassen sicherlich kein Weg ist, die Herzen der
lokalen, verbitterten Bevölkerung für sich zu gewinnen.

Ich gebe Ihnen nur ein kleines Beispiel für die erschreckenden Konsequenzen
dieser Politik. In den ersten Jahren des Afghanistaneinsatzes kannte
man in Afghanistan so etwas wie Selbstmord-Terrorismus so gut wie gar
nicht. 2006 sind die Selbstmordattentate plötzlich auf über 90 Fälle
gestiegen, 2008 waren es schon über 130 und 80% von Ihnen direkt auf
amerikanische oder westliche militärische Ziele gerichtet.



Liebe Friedensfreundinnen und Freunde!

Es gibt seit Jahrzehnten keine Sache bei der sich weltweit die so
unterschiedlichen, über 1,3 Milliarden Muslime sicherer oder einiger
waren, als bei der Ablehnung von Terror, Extremismus und
Selbstmordattentaten in Ihrem Namen und dem Islam! Es gibt weltweit
unzählige Erklärungen und theologische Gutachten, jüngst das
Umfassendste von Muhammad Tahir ul Qadri. Bitte merken Sie sich diesen
Namen! Denn wir sollen ihn bald wieder vergessen! Er passt nicht ins
Kriegs-Konzept!

Unsere Regierung will nicht, dass die deutsche nichtmuslimische Bevölkerung hört, dass Muslime doppelt gegeißelt
werden vom Terror und ihn verachten! Sie will nicht, dass man erfährt,
dass bis vor ein paar Jahren in islamisch geprägten Ländern
Selbstmordattentate undenkbar waren!

Und diese schrecklichen Phänomene fassen erst Fuß, seitdem unsere Staaten hier Krieg führen und
durch Menschenrechtsverletzungen, wie Folter, dem Terrorismus erst den
Nährboden bereiten! Die allermeisten Ermordeten des so-geschimpften
islamischen Terrorismus sind doch dazu auch noch Muslime! Wer denkt
denn in der Welt einmal an die Muslime?

Weder Kriegsführer, die ihre Soldaten als Schutzschilder benutzen, noch Terroristen kümmern die
eigenen Leute einen Dreck! Tatsächlich haben sie keine eigenen Leute,
nur ihre Ideologien!

Genau so wenig, wie man den nichtmuslimischen kriegsablehnenden Deutschen, den über 80% in diesem
Land, der Friedensbewegung genügend Raum in der Öffentlichkeit gibt, um
Signale auszusenden und Diskurse zum Positiven zu wenden,

genau so wenig gibt man der überwältigenden Mehrheit der Muslime genügend
Raum in der Öffentlichkeit, sich zu artikulieren und die wenigen, aber
allgegenwärtigen Extremisten von der Bildfläche zu kicken!

Stattdessen werden wir mit Videos, Bildern und Drohbotschaften von gefährlichen,
aber keinen Rückhalt in der Bevölkerung habenden Einzelpersonen und
innerdeutschen Terrorwarnungen, die sich dann nach Wochen oft als
Falschmeldung entpuppen, Tag für Tag bombardiert und mit Angst gelähmt!
Extremisten, die schriftlich von Muslimen isoliert und scharf abgelehnt
wurden, gibt man vor strategisch wichtigen Zeitpunkten, z.B. vor der
Bundestagswahl riesigen Raum in unseren Medien! Erinnern wir uns! Es
werden Millionen an Steuergeldern für V-Männer ausgegeben, die das
Internet vergiften und extreme Ansichten salonfähig machen sollen.

Ich möchte ein vielleicht extremes Beispiel geben, aber vielleicht hilft
es, die Dinge auch mal von einer anderen Perspektive zu sehen.

Bitte stellen sie sich einmal vor, NPD-Funktionären würde man in den
Schweizer Medien Tag für Tag Raum geben und dabei behaupten, sie seien
das Sprachrohr der deutschen Minderheit in der Schweiz und jeder
Versuch der Deutschen, dies zu widerlegen würde totgeschwiegen! Das
hätte fatale Folgen für den gesellschaftlichen Frieden! Dies alles ist
verantwortungslos, passiert aber mit den Muslimen tagtäglich! Diese,
insbesondere muslimische Frauen dürfen dann schauen, wie sie sich
porträtiert als Monster oder ewig Unterdrückte auf dem Arbeits- und
Wohnungsmarkt zurechtfinden sollen. Da will sie nämlich heute keiner
mehr in guten Gegenden oder angesehenen Stellen!

Die Kriegsführer brauchen dieses Feindbild und wollen es unbedingt am Leben
erhalten, weil sonst ihre gesamte Kriegs-PR, z.B. vom angeblichen Ziel
einer Befreiung der afghanischen Frau, bröckeln würde. Die europäische
Bevölkerung soll gezielt mit der afghanischen Frauenfrage als
Kriegsverbündete gewonnen werden. Ein reines Ablenkungsmanöver! Und
gerade echter Feminismus hat immer gegen Krieg auf Lasten und Schultern
der Frauen gekämpft! Feministinnen, die Krieg bejubeln, sind für mich
keine!



Liebe Freundinnen und Freunde,

man fürchtet sich vor unserer Friedens-Opposition!

Wir sollen weiter glauben, dass die Muslime weltweit nicht gegen Terror
oder Extremismus seien, und wir sollen weiter glauben, dass die
deutsche nichtmuslimische Bevölkerung nicht gegen Morden im Namen
missbrauchter Begriffe wie Freiheit sei!

Wir sollen einander nicht vertrauen und nicht zueinander finden! Das ist Propaganda erster Sahne!

Und das ist, was ich meinte, als ich sagte, man will uns auseinander und in feindliche Lager treiben!

Die, die verrückt nach Öl und Ideologien sind und dafür über tausende
Leichen zu gehen bereit sind, wollen uns allen hier, die wir
friedliebend sind, den Ton abschalten! Und wer Frieden will, muss aktiv
für Gerechtigkeit und für die Achtung der Menschen weltweit sorgen!



Liebe Friedensfreundinnen und Freunde!

Wir müssen alle zusammenhalten! Jetzt erst recht! Hier vor Ort und in der
weltweiten Friedensbewegung, in dem wir mehr Menschen für den
Kriegsstopp gewinnen! Denn Frieden fängt im Herzen, zu Hause an! Nicht
am Hindukusch oder sonst wo! Wir müssen Geld in Bildungsmaßnahmen für
die Dekonstruktion von Feindbildern und Rassismen stecken! Wir müssen
verantwortungsbewusste Medien schaffen, damit man uns nicht weiter
manipuliert und überstimmt! Wir haben angeblich für nichts Geld, aber
immer Milliarden für Waffen! Stellen Sie sich vor, diese Summen würden
in Afghanistan, statt das Volk seit Jahrzehnten zu knechten, für
Schulen investiert? Wer würde uns dann noch hassen wollen?

Setzen wir uns für ein klares Nein gegen Volksverdummung, Aufrüstung und
jeglichen Krieg ein! Diese Verdrehungen müssen endlich ihr Ende finden!


Goethe, der Brückenbauer zwischen Orient und Okzident, soll einmal gesagt haben: "Man muss das Wahre immer wiederholen, weil auch
der Irrtum um uns herum immer wieder gepredigt wird; und zwar nicht nur
von einzelnen, sondern von der Masse, in Zeitungen, und Enzyklopädien,
auf Schulen und Universitäten. Überall ist der Irrtum obenauf, und es
ist ihm wohl und behaglich im Gefühl der Majorität, die auf seiner
Seite ist."

Jeder von uns zeigt heute mit seiner Anwesenheit, dass er nicht auf der Seite des Irrtums sein will! Darüber können wir
als Erlanger stolz sein und ich hoffe, es schließen sich uns noch viel
mehr Kriegs- und PR-müde Menschen an!

Vielen Dank!



E-Mail: cindilkaya (at) gmail (Punkt) com


http://www.friedenskooperative.de/netzwerk/om10-086.htm

Seitenaufrufe: 4

Hierauf antworten

Hinweise

Infos für neue Mitglieder

Erstellt von ThoreS 24. Apr 2008 at 12:54. Zuletzt aktualisiert von ThoreS 24. Apr 2008.

Badge

Laden…

© 2012   Erstellt von ThoreS.

Badges  |  Ein Problem melden  |  Nutzungsbedingungen